Beim Zahnarzt


ES IST SOWEIT.

86 Kinderzähnchen und –zähne wollen prophylaktisch umsorgt werden. Das Schulkind muss zur professionellen Zahnreinigung, die bleibenden Backenzähne des Vorschulkinds sollen versiegelt werden, für die vierjährigen Zwillinge ist es der erste Besuch, um sich an die künftige halbjährliche Routine zu gewöhnen.

Der wichtigste Anlass des heutigen Termins:

Ein Schneidezahn von K4 hat sich nach einem Sturz auffällig dunkel verfärbt. Die hysterisch googelnde Mutter ist auf bedrohliche Stichwörter gestoßen. Nervverletzung, Zahnschmelzriss, Faulgase, Absterben, Prothese.

Nach zehn Minuten im ansonsten menschenleeren Wartezimmer werden wir von drei Arzthelferinnen in Empfang genommen und auf drei Behandlungszimmer, die drei einzigen, verteilt. K1 und K2 gehen jeweils, da nach eigenen Angaben alt genug, allein.

Das doppelte Päckchen zeigt erfreulich kooperativ dem Arzt das jeweilige Gebiss, hält nicht wie befürchtet mit beiden Händen den Mund verschlossen. Gerade als ich ansetze, den dem grauen Zahn vorausgegangenen Vorfall samt meiner Befürchtungen zu schildern, klopft es zaghaft an der Tür.

K2 braucht moralische Unterstützung.

Die Frage nach der Verfärbung kläre ich später. Wenn ich den Angaben der Arzthelferin Glauben schenken darf, wurde es spannend kurz nachdem sich die kleine Patientin auf dem Behandlungssessel platziert hatte, sprich am Anfang. Mit gutem Zureden gelang es dem Zahnarzt unterstützt von zwei Assistentinnen, unversehrt einen Blick auf die beiden Zahnreihen zu werfen. Doch schließlich bedarf es vier Erwachsener, um die Versiegelung von acht Backenzähnen erfolgreich und ohne gravierende Blessuren zum Abschluss zu bringen. Einer muss meine Tochter davon abhalten, den Mund zu schließen, einer fixiert die Arme, einer ihre Beine, die dem Behandlungstischchen bedrohlich nahe kommen. Das sanft plätschernde Aquarium trägt nichts zur Beruhigung meines Kindes bei, ebenso wenig das Bild einer Orchidee.

In Windeseile oder besser gesagt, so schnell es Ausdauer der Behandelten, Kraft der Helfer, Ungeduld des Dentisten, Trocknungsbedarf der Versiegelungsmasse zulassen, wird ein Zahn nach dem anderen mit der schützenden Schicht versehen. Die Zwillinge, K3 und K4, testen unterdessen, ob und wie weit die als Belohnung für das löbliche Verhalten während der Untersuchung geschenkten Styropor-Flugzeuge fliegen.

Die professionelle Zahnreinigung bei meiner Drittklässlerin vollzieht sich, soweit ich es akustisch beurteilen kann, ohne größere Zwischenfälle. Bis auf die üblichen Würgegeräusche, wohl ausgelöst durch den lästigen Speichelsauger im Mundwinkel, dringt kein beunruhigendes Geräusch aus dem gegenüberliegenden Behandlungsraum. Nach beendetem Spektakel erhalten auch die älteren Töchter Belohnungen.

Der Flummi verfügt über ausreichende Sprungkraft. Die Trillerpfeife funktioniert ebenso.

Mit gereinigtem Gebiss, versiegelten Zähnen und einem positiven ersten Eindruck verlassen wir nach neunzig Minuten die Praxis. Die Sprechstundenhilfe nickt mir zu. »Auf Wiedersehen.« Meint sie das ernst?

Im Auto fällt mir ein, dass genau ein Zahn nicht untersucht wurde. Der gräulich verfärbte, dessentwegen wir ursprünglich den Termin vereinbart hatten.

Wie verläuft Dein Zahnarzttermin mit Kind? Hinterlasse einen Kommentar oder schreibe mir per E-Mail an: irishell@gmx.de – ich freue mich!

3 Gedanken zu „Beim Zahnarzt“

  1. Habe es gerade auch hinter mir. K1 Backenzähne versiegeln null Probleme . K2 nachschauen auch ohne Zwischenfall. K3 weigert sich den Mund auch nur ein bißchen auf zu machen und babymaus findet den Blick in den Mund auch alles andere als toll. Alles in einem behandlungszimmer und babymaus versucht porutschend zu entkommen. Das Belohnung aussuchen ist definitiv der anstrengendste teil des Termins . In 4 Monaten dürfen wir wiederkommen. Schauen ob K2 schon alleine putzen darf. Ohne nachputzen.

    1. Hört sich exakt wie unser letzter zahnarzttermin an. Und das aussuchen der Belohnung ist definitiv das anstrengendste. Noch schlimmer ist nur noch Schuhe einkaufen mir allen 4 Kindern alleine.

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