Mama ist krank


 ICH BIN KRANK.

Ich habe tatsächlich die Dreistigkeit dazu. Mann ist in Arbeit, K1 in Schule, K2 im Kindergarten. Die Zwillinge, K3 und K4 sind auch unpässlich, behaupten sie zumindest.

Ich zweifle an der Aussage. Denn die beiden vierjährigen Fräulein quasseln in einer Tour , schlagen Purzelbäume, hüpfen auf dem Sofa und lassen mich nicht genesen.

Mein Protest, meine leise Bitte:

Seid bitte leise!

Die Mama ist krank!

Wird ignoriert, bleibt unerhört.

»Mama, ich möchte Schokobrot mit Gummibärchen.« – »Mama, wo sind die Blauklötze?« – »Mama, warum hat Wehschnittchen nur sieben Särge?« – »Mama, ich will auch mal wie Dornhöschen aufgeküsst werden!« – »Mama, huste bitte leiser, sonst tut mein Herz weh.« – »Mama, was machst du?« – »Ich leide.« – »Und was leidest du?« – »Stürbst du dann?« – »Irgendwann, ja.« – »Und wann würst du gestorben?«

Da der Platz, den ich mir zum Ausruhen auf dem Sofa hergerichtet habe, leider besetzt ist, nutze ich die Gelegenheit, am Esstisch die sechs letzten Ausgaben einer Zeitschrift durchzuschauen, wozu ich in den vergangenen eineinhalb Jahren leider nicht gekommen bin. Wie ein Schnitzel habe ich mich gefreut, weil mir in Ausgabe 03 des Vorjahres eine Gesichtsölprobe in die Hände gefallen ist. Mit wohlduftendem Gesicht und passender Lektüre lässt sich das Kranksein, auch in Gegenwart ignoranter Verwandtschaft, deutlich besser ertragen.