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beA verlangt künftig Captcha mit Paragraphensuche


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Ampeln, Zebrastreifen, Fahrräder. Wer im Internet beweisen muss, kein Roboter zu sein, klickt auf verpixelte Verkehrsinfrastruktur. Sind die Clicks korrekt, folgt die Weiterleitung auf die eigentlich anvisierte Webseite. Dieses bewährte Procedere soll nun auch in die juristische Welt Einzug halten. Das besondere elektronische Anwaltspostfach, kurz beA, setzt künftig auch auf eine eigene Prüfung.

Kartenleser angeschlossen, beA-Karte eingesteckt, PIN eingegeben. Alternative zur Karte: das Zertifikat. Bislang waren das die Wege zum Postfach von Anwälten und Anwältinnen. Ab dem kommenden Quartal folgt ein weiterer Schritt: das sogenannte Juristen-Captcha. Statt „Klicken Sie alle Bilder mit Ampeln an“ heißt es dann: „Markieren Sie alle Normen, die eine Frist enthalten.“ Zur Auswahl stehen neun Felder mit Auszügen aus ZPO, BGB und, für Fortgeschrittene, der Grundbuchordnung.

Weshalb dieser Schritt? Nach Angaben der Projektverantwortlichen der Bundesnotarkammer, kurz BNotK, haben sich zuletzt vermehrt KI-Programme ins System eingeschlichen. Diese hätten Schriftsätze eingereicht, die verdächtig fehlerfrei, freundlich formuliert und vor Fristablauf eingegangen waren. Besonders der letzte Punkt war auffällig untypisch. „Spätestens da war uns klar, das kann kein Mensch gewesen sein“, so Dr. Henrike Fristenbach-Wiedervorlage, Leiterin der neu gegründeten Stabsstelle Authentizität.

Captcha gibt es in drei Schwierigkeitsstufen. Stufe eins: Paragraphen den richtigen Gesetzen zuordnen. Stufe zwei: Formulierungen auf Richtigkeit überprüfen, ohne nachzuschlagen. Stufe drei, aktiviert ab 23 Uhr: Erkennen, ob die angezeigte Fassung noch gilt. Wer dreimal scheitert, wird automatisch für ein Fortbildungsseminar angemeldet. Thema: „Das beA und ich – eine Annäherung“.

Gibt es Kritik? Natürlich. Eine Münchner Kanzlei berichtet, ein Kollege habe 40 Minuten vor Fristablauf vor der Frage gesessen, ob § 193 BGB eine Frist enthalte oder nur eine Ausrede für Wochenenden. Weil sich die Fristversäumnisse und damit die Anträge auf Wiedereinsetzung häufen, bieten erste Repetitorien bereits Crashkurse an. Werbeslogan: „Fit für Captcha! Das dritte Staatsexamen.“

Auch aus der Assistenz kommen Bedenken. Eine Rechtsanwaltsfachangestellte aus Augsburg merkt an, dass sie das Captcha in Sekunden löse, ihr Chef hingegen regelmäßig an Stufe eins scheitere. „Wie soll das denn funktionieren, wenn wir mal nicht da sind?“, fragt sie.


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