Eltern_erobern_Musikschulen
Satire

Münchner Musikschulen am Limit


Immer mehr Helikoptereltern wollen erste Geige spielen

Komplett ausgebucht! Und zwar auf Monate. Wer in diesen Zeiten seinen Sprössling zum Instrumentalunterricht anmelden möchte, tut sich schwer. Zumindest in München. Denn dort herrscht ein regelrechter Run auf die Musikschulen. Ob Blockflöte, Triangel, Harfe. Quasi jeder Kurs ist belegt.

Was auf den ersten Blick nach kindlichem Musiksinn aussieht, entpuppt sich beim zweiten Hinsehen als Kuriosum. Denn in den Cello-, Klavier- oder Hackbrettstunden erlernen nicht etwa Sechs- bis Siebzehnjährige das Notenlesen, sondern deren Eltern. Die Jüngsten unserer Gesellschaft haben keine Chance auf einen Platz. Einzige Option: Warteliste. Wie aber aus Insiderkreisen zu vernehmen ist, sind auch dort die meisten Plätze besetzt. Ebenfalls von Eltern. Bevor sie ihre Kinder in die Obhut der Musiklehrer geben, wollen sie sich einen Eindruck verschaffen, und zwar persönlich.

„Man weiß ja sonst überhaupt nichts über die Qualität des Unterrichts, insbesondere über die musikpädagogischen Fähigkeiten der Lehrkraft“, verrät uns ein Vater, der anonym bleiben möchte, auf dem Weg zur Geigenstunde.

Wie war diese Entwicklung möglich?

Anders als man annehmen könnte, bekommt einen freien Platz, wer sich dafür anmeldet. Und zwar altersunabhängig. Eine Regelungslücke. Höchstalter für Schüler? Bisher nicht vorgesehen, denn die Musikstunden belegten in den letzten Jahren immer nur Kinder und Jugendliche.

Hier ist jedoch eine Trendwende zu verzeichnen. Der Grund liegt in der gestiegenen Bedeutung des Kindeswohls. In der aktuellen Generation gibt es immer mehr sog. Helikoptereltern, die kaum etwas dem Zufall überlassen wollen. Sicher keine schlechte Entwicklung.

Doch was ist mit den Scharen an Kindern, die gerne Schlagzeug lernen würden, aber derzeit mangels Kapazitäten der Musikschulen nicht können? Herr Dupont, Leiter der Münchner Musikschule, zuckt mit den Schultern. „Im Moment sind uns leider die Hände gebunden. Um die Eltern aus den Kursen wieder rauszukriegen, müsste die Satzung geändert und eine Altershöchstgrenze eingeführt werden. Und dies kann nur der Stadtrat.“

Ließe sich diese Bürokratiehürde nicht leicht aus dem Weg räumen? – fragen wir dort nach. Dort sei man bemüht, das Thema so schnell wie möglich als TOP 1 auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu nehmen.

Eine Anfrage bei Münchner Sportvereinen hat übrigens ergeben, dass auch dort – ebenfalls zu Testzwecken – die meisten Kinderkurse von Eltern besucht werden.


 

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