Fakenews

Geheimes Schulmodell „G8,5“ geleakt

Neue Enthüllungen aus dem bayerischen Kultusministerium

München. Erst der Jahrgangsstufentest in Mathematik, jetzt ein Schulmodell. Droht Bayerns Gymnasien eine neue Reform? Die Serie an Pannen des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, kurz KMU, scheint nicht abzureißen. Erst kürzlich gelangte der an sich geheime Mathe-Jahrgangsstufentest samt Lösungen aus bislang ungeklärter Ursache in die Klassenchats diverser bayerischer Schüler und verbreitete sich in Windeseile über die Handys des Freistaats. All dies trotz der auch bei den Abiturprüfungen geltenden Sicherheitsvorkehrungen wie Versiegelung der Umschläge mit den Prüfungsaufgaben und Lagerung bis zum Start der Prüfungen in den Tresoren der Schulleitungen.

Nach dem peinlichen Vorfall nun ein neues Missgeschick: Nicht die neue Sitzordnung für Lehrkräfte im Lehrerzimmer oder eine Klausur der Kultusministerin aus dem Jahr 1997 sind nun öffentlich, sondern ein Konzept mit dem Arbeitstitel „G8,5“. Bislang streng vertraulich.

Das 312 Seiten starke Dokument tauchte am Mittwochabend in einer Klassen-WhatsApp-Gruppe der 7b eines oberbayerischen Gymnasiums auf, zwischen einem Katzenvideo und der Frage, ob die Matheklausur der Kultusministerin aus dem Jahr 1997 die nächste Schulaufgabe sein könne.

Wie konnte das passieren?

Wie das Papier den Weg aus dem Sitzungssaal in der Münchner Innenstadt zu Tausenden von digitalen Endgeräten finden konnte, ist unklar. Die Schuld für das Bekanntwerden des Mathematik-Jahrgangsstufentests wurde auf eine der Ebene tiefer verlagert, ein Gymnasium in Markt Schwaben. Auch jetzt soll das Leck nicht im KMU liegen: Theorien über die mehrfache Verwendung von Schmierzetteln für Protokolle wegen Budgetkürzungen in der Papierverwendung werden bislang dementiert.

Dementiert werden auch die Pläne generell. Ein Sprecher des Ministeriums erklärte, man habe „zu keinem Zeitpunkt“ an einem Schulmodell G8,5 gearbeitet. Es handle sich vielmehr um „einen Entwurf für ein Konzept zur Vorbereitung einer möglichen Diskussionsgrundlage“. Auf Nachfrage, warum das 312-seitige Dokument dann ein Inhaltsverzeichnis, ein Logo und eine Seite mit diversen Unterschriftszeilen der sonst zuständigen Personen vorsehe, verwies der Sprecher auf die Pressestelle, die ihrerseits wieder auf den Sprecher verwies, der sich bezüglich der Frage, wer in dieser brisanten Angelegenheit der Öffentlichkeit Rede und Antwort zu stehen habe, an die Abteilung zur Klärung von Zuständigkeitsfragen wandte. Wann hier eine Klärung vorliegt, steht auf einem anderen Schmierblatt.

Reaktionen aus Schulen und Elternhäusern

Die Reaktionen fallen gemischt aus. Ein Schulleiter aus Niederbayern zeigte sich wenig beeindruckt:

„Wir haben schon G9, G8 und wieder G9 überlebt. Ein halbes Jahr mehr oder weniger merkt hier eh keiner mehr.“

Dr. Britta Hermelin-Rotburghartner, mittlerweile Vorsitzende der Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern e.V. (LEV), bekannt für ihr Engagement der Initiative „Helikoptereltern fordern Hubschrauberlandeplatz“ forderte dagegen umgehend einen Elternabend. Gerüchten aus unbekannter Quelle zufolge solle dieser „frühestens im Schuljahr 8,5“ stattfinden.

Schülerinnen und Schüler sehen die Sache grundsätzlich pragmatisch. „Wenn das halbe Jahr nur aus Wandertagen besteht und wir nicht nur halbe Ferien haben, bin ich dafür“, sagte ein Neuntklässler, stellte gleichzeitig die Frage in den Raum, ob man jetzt auch im Halbjahr durchfallen könne.

Wie sehen die Pläne zum neuen Schulmodell aus?

Laut dem Papier soll das Gymnasium künftig weder acht noch neun, sondern exakt achteinhalb Jahre dauern. Das Abitur würde demnach komprimiert in allen Fächern in sogenannten Kurzprüfungen an einem einzigen Dienstag im Februar stattfinden. Effizienz und Bürokratieabbau sind hier die Stichwörter-

Besonders Interessant ist Kapitel 4: Das halbe Schuljahr 13 ½ soll ausschließlich aus Wandertagen, Projektwochen und der Rückgabe von Klausuren bestehen, die im vorherigen Schuljahr geschrieben wurden.

Es bleibt Raum für Spekulation, insbesondere darüber, wie der mit dem geplanten Schulmodell einhergehende Lehrplan, derzeit LehrplanPLUS denn fortan heißen soll. Im Rennen sollen sein: LehrplanHALB oder LehrplanPLUS-MINUS. Fest steht: Der Gedanke des Halben ist der Schule nicht fern. Halbjahr, Benotung als halbe Schulaufgabe, Einzelstunde als halbe Doppelstunde usw.

Das Ministerium kündigte an, den Vorfall „lückenlos aufzuklären“. Ein Untersuchungsbericht soll bis Ende „des Schuljahres“ vorliegen. Nun wird spekuliert, welches Schuljahr gemeint sein könnte.

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