Ich lass das jetzt so


DIENSTAG, 12.28 UHR.

Eigentlich hätte ich einiges zu tun. Falsch: Nicht eigentlich. Nicht hätte. Nicht einiges. Tatsächlich habe ich viel zu tun. Wenn ich mir die ellenlange Todo-Liste ansehe, sogar sehr viel.

Doch ich HABE BESCHLOSSEN: ES IST MIR EGAL. ICH LASS DAS JETZT SO. Unerledigt.

Ich müsste Rasen mähen, unter der Hecke Unkraut jäten, im Anschluss sechs Säcke Rindenmulch auf der Erde unter der Hecke verteilen, die natürlich erst noch gekauft werden wollen, bügeln, Wäsche zusammenlegen, ein Treppengitter abmontieren, dieses gemeinsam mit zwei Kindersitzen und zwei Dreirädern verkaufen, einen Termin beim Rheumatologen wegen meines Tennisarms vereinbaren, Geburtstagsgeschenke für unsere älteste Tochter besorgen, am besten vorher überlegen, was ich überhaupt besorgen könnte, ein dazu passendes Event planen und organisieren, die Steuererklärung fertigstellen und einreichen, die längst überfällige Papierablage erledigen, mein Buch vermarkten, einem seit Wochen angefangenen Blogbeitrag den letzten Schliff geben, diverse Fotobücher (sechs? sieben? acht?) der vergangenen Jahre erstellen, gemalte Kinderbilder ausmisten, sortieren und verstauen, Altkleider entsorgen, eine Geschäftsidee vorantreiben, netzwerken, Lebensmittel einkaufen, Pins bei Pinterest posten, was aber bislang daran gescheitert ist, dass ich noch nicht hinter die Technik von Pinterest gestiegen bin, die Autofähre für den Sommerurlaub buchen und mich um einen Schulranzen samt Erstklassinhalt für unsere Sechsjährige kümmern. Gut, bis zur Einschulung sind es noch über drei Monate, aber dennoch wäre es schön, einen Haken hinter diesen Punkt auf meiner Liste setzen zu können.

Und was tue ich?

Nichts. Jedenfalls nichts von dem, was auf der Liste steht. Schlendrian nennt man das. In der Umgangssprache wird darunter laut Wikipedia eine langsame, träge, nachlässige und dadurch ineffektive und fehleranfällige Arbeitsweise verstanden. Ursache des Schlendrians ist meist mangelnde Motivation und/oder zu ausgeprägte Routine bei der Arbeit.

Das ist es!

Ich bin einfach zu routiniert, zu gut für die täglich wiederkehrenden Aufgaben in meinem Leben.

 

Mit dieser beruhigenden Erkenntnis genehmige ich mir in Gelassenheit und Leichtigkeit den den x-ten Espresso, lackiere meine Nägel glitzernd und poste im Internet einen Statusbericht – ein Foto des Nagellacks samt Kaffeetasse. Meine Todo-Liste stört mich nicht im geringsten. Was für ein wunderbares Motto: Ich lass das jetzt einfach so. Sollen doch andere ein schlechtes Gewissen haben. Ich nicht.

Wann hast Du zum letzten Mal Fünfe gerade sein lassen? Hinterlasse einen Kommentar oder schreibe mir per E-Mail an: irishell@gmx.de – ich freue mich!

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